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STADTMARKETING-INITIATIVEN ZUR STÄRKUNG DES INNERSTÄDTISCHEN HANDELS

Posted on 07.04.2015 by Dr. Michael Baurschmid - Manager

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Posted on 07-04-2015 by Dr. Michael Baurschmid - Manager

Vielerorts zeigen sich die gravierenden Veränderungen der Handelslandschaft durch eine zunehmende Verwaisung und den Leerstand in den Innenstädten. Zudem führen zentrale Shopping-Center, in denen es zum Großteil Ladengeschäfte großer Filialketten gibt, einen harten Konkurrenzkampf um die lokale Kaufkraft, nicht nur mit dem eigentümergeführten Einzelhandel. Zu guter Letzt stirbt das Konzept der traditionellen Warenhäuser immer ein kleines bisschen mehr und die fortschreitende Digitalisierung fordert mit den Konzepten des Omni-Channels ihren Tribut. Kurzum: das ist Darwinismus pur für den lokalen Einzelhändler.

Von dieser sehr realen Situation ausgehend, wollen wir nun den Blick auf die Verantwortung der Städte und Politik lenken. Selbstverständlich wünscht sich jede Stadt einen florierenden Einzelhandel mit lokalen Händlern, eine attraktive Innenstadt mit vielen unterschiedlichen Einkaufs- und Erlebnisangeboten sowie Besuchern aus dem Umland. Die dadurch generierte Kaufkraft bringt Steuern in die Stadtkassen, die zur weiteren Stadtentwicklung verwendet werden können. Das wiederum sichert Arbeitsplätze, zieht neue Einwohner und Firmen in die Region und sorgt dafür, dass die Menschen nicht zum Einkaufen in die nächste Metropole oder große Stadt abwandern. Im besten Fall wird die Stadt als Marke noch bekannter, zieht Touristen an und sorgt für ein gutes Stimmungsbild der Einwohner über die Aktivitäten der Wirtschaftsförderung und des Stadtmarketings.

Beispielhaft wollen wir an der Online City Wuppertal-Initiative aufzeigen, welche Unterstützungsmöglichkeiten für den eigentümergeführten Einzelhändler durch Stadtmarketing-Initiativen gegeben sind. Denn, was ein einzelner Händler aufgrund seiner Ressourcensituation und der Konzentration auf das tägliche Handelsgeschäft nur sehr schwer schaffen kann, ist nebenbei noch Innovationen einzuführen und sich damit gegen den Wettbewerb besser zu behaupten.

Mit gewaltiger Presseberichterstattung ist 2014 Online City Wuppertal gestartet und erfindet damit gerade die Unterstützung der lokalen Händler durch die Stadt vollkommen neu. Durch die Zusammenarbeit der Wirtschaftsförderung, externer Beratung, 45 Händlern und einigen weiteren Projektpartnern ist bereits nach kurzer Zeit ein virtueller Marktplatz implementiert worden. Zudem fanden begleitend Schulungen und Beratungen für die teilnehmenden Händler statt, um ihnen die Konsequenzen auf ihr Handelsgeschäft zu verdeutlichen. Ein übergeordnetes Ziel ist es, gemeinsam an einem Strang zu ziehen, um den Wirtschaftsstandort Wuppertal-Elberfeld zu stärken. Hierdurch können die lokalen Einzelhändler die Möglichkeiten des Omni-Channel-Commerce überhaupt erst realisieren, ihr Produkt- und Serviceangebot verbessern und neue Kaufanreize – nicht nur bei den lokalen Bürgern – schaffen. Nebenbei lernen die Händler, was der Kunde bereits heute, aber verstärkt zukünftig, mit seinem geänderten Konsumverhalten von ihnen erwartet und wie sie dieser neuen Anspruchshaltung gerecht werden können. .

Nun reicht aber ein virtueller Marktplatz noch lange nicht für einen durchschlagenden Erfolg und die Konkurrenz guter eCommerce-Shops ist groß. Mit den gegebenen finanziellen Mitteln der Wirtschaftsförderung stößt man damit schnell an die Grenzen des Machbaren. Dennoch bestätigen die ersten Erfahrungsberichte der lokalen Händler eine positive Entwicklung des Marktplatzes und der daraus bereits erzielten Umsatzsteigerungen. Auch der Erfahrungsgewinn für die Beteiligten ist insgesamt sehr groß.

Umfragen unter den Nutzern der Online City Wuppertal-Plattform belegen eine einfache Anwendbarkeit des Systems. Dies fördert ein schnelles Verstehen und erhöht die Wahrscheinlichkeit eines Kaufabschlusses (=Conversion-Rate) über den virtuellen Marktplatz. Das Konzept berücksichtigt nicht nur die Kaufabwicklung, sondern gleichfalls die Auslieferung mittels lokaler Logistikpartner (=Fulfillment) am selben Tag. Mittels eines Same-Day-Delivery-Ansatzes wird – im Vergleich zu anderen virtuellen Marktplätzen – die Lieferzeit reduziert und macht es für den lokalen Konsumenten sehr komfortabel bzw. verbessert sein Einkaufserlebnis.

In Zusammenarbeit mit weiteren Partnern ist zwischen 2015 und 2016 in der Elberfelder-Rathaus-Galerie ein „Retail Lab“ geplant. Auf einer größeren Fläche sollen modulare Shop-in-Shop-Ladenbau und moderne Omni-Channel-Konzepte in Zusammenarbeit umgesetzt und ausprobiert werden. Dort soll des Weiteren eine zentrale Servicestelle Dienstleistungen, wie z.B. Beratung und neue Abholungsmöglichkeiten, anbieten.

Regelmäßige Events könnten einen stetigen Wandel der geplanten Shop-In-Shop-Flächen und Angebote des Retail Labs begleiten, sodass über den Projektzeitraum die Spannung immer erhalten bleibt und die Konsumenten zu einem regelmäßigen Besuch animiert werden. Ein ähnliches Vorgehen, wie beim New Yorker Concept-Store „ThisIsStory.com“, könnte eine denkbare Richtung vorgeben. Der Wuppertaler-Bürger soll – durch die Initiative der Stadt und ihrer Händler – ein gänzlich neues Einkaufserlebnis kennenlernen.

Doch kein Weg ohne Herausforderungen: Solche experimentellen Handelskonzepte müssen immer in das entsprechende „Biotop“ – also den Standort mit seiner Kundenfrequenz/-Struktur, das Umfeld der lokalen Händler, die lokale Kaufkraft, den beteiligten Technologiepartnern sowie den finanziellen Möglichkeiten der Stadt für Marketing und sonstige Fördermaßnahmen – passen. Eine Akzeptanz für die Unterstützung und intensive Nutzung des Retail Labs mit all seinen Angeboten durch die Konsumenten kann nicht durch „einfache Bereitstellung“ digitaler Endgeräte erwartet werden. Die Verantwortlichen müssen ein „reifes“ und ein in die Landschaft unabhängiger Händler vollständig integriertes Omni-Channel-Konzept liefern. Die dabei zu realisierenden Lösungen müssen auf die persönlichen Bedürfnisse der Konsumenten zugeschnitten sein und mehrwertsteigernde Serviceangebote über die Kundenkontaktpunkte bieten. Zudem sollten die Händler eine realistische Gewinnerwartung haben und nicht von sprunghaft wirkenden umsatzsteigernden Impulsen ausgehen.

Ein in diesem Zusammenhang wichtiger Punkt ist die Passung zwischen der Standortwahl und dem geplanten innovativen Angebot. Zentrumsnahe, sowohl mittels PKW als auch fußläufig gut erreichbare Lage in Verbindung mit flexiblen, modernen und freundlichen Flächen- und Raumkonzepten sind dabei ein wesentlicher Baustein. Wie bei jedem Retailstandort, sind auch die Handels-Nachbarschaft und das direkte Umfeld entscheidend für Akzeptanz und Erfolg.

Werden diese Anforderungen berücksichtigt und umgesetzt, sieht der Ausblick auf die Umsetzung spannend aus. Unter dem Dachkonzept der Stadt Wuppertal kann, was ansonsten finanzkräftigen Filialketten vorbehalten ist, auch im Kleinen durch den lokalen Einzelhändler einiges geleistet und der Konsument begeistert werden.

TAILORIT unterstützt mit seiner Handelsexpertise die Online City Wuppertal-Initiative und hilft bei dem prozessualen Entwurf des Retail Labs. Dass die Wuppertaler-Wirtschaftsförderung bzw. das Stadtmarketing auf einem guten Weg ist, zeigt sich an der Vielzahl der Anfragen interessierter Gemeinden aus ganz Deutschland.

Change Works!

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