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Kultur und Digitalisierung – ein Beispiel

Posted on 12.07.2018 by Dr. Michael Baurschmid - Manager

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Posted on 12-07-2018 by Dr. Michael Baurschmid - Manager

Eine Beschreibung von Kultur bemüht oft die Metapher des Eisbergs. Wir sehen nur die Spitze über dem Wasser. Aber für die Umsetzungsbemühungen müssen wir den „Bauch“ unterhalb der Wasserlinie mitberücksichtigen. Es geht oberflächlich gesehen nicht nur um die Einführung digitaler Technologien in Handel, sondern auch um eine Beachtung der Voraussetzungen und Konsequenzen durch deren Implementierung. Ansonsten ist die Gefahr des Scheiterns groß. Im ersten Teil des Blogbeitrags habe ich beschrieben, woran die Bereitschaft für den digitalen Wandel oft scheitert. Antworten, wie daran gearbeitet werden kann, werde ich im Folgenden geben. Im Vordergrund der Betrachtungen geht es um eine Änderung der eigenen inneren Haltung gegenüber den Entwicklungen der Digitalisierung. Ziel ist es eine Handlungsunfähigkeit zu vermeiden und sich offen gegenüber den anstehenden bzw. teilweise unbeeinflussbaren Veränderungen zu zeigen. Kurzum: Persönliche Veränderungsprozesse initiieren und vorantreiben, um durch Reflexion der Situation und Feedback die eigenen Kompetenzen weiter auszubauen.

Thomas Druyen stellt in der Studie „Die Ultimative Herausforderung – Über die Veränderungsbereitschaft der Deutschen“ fest: Wenn man etwas Neues tun will oder über Veränderung nachdenkt, braucht man nicht nur ein Reservoir an Ideen und Vorstellungen, sondern auch eine Quelle für neue Energie. Das tollste Versprechen oder die beste Aussicht sind nicht konkreter Anlass genug, um innerlich überzeugt zu werden. Dafür darf man Veränderung nicht nur reaktiv erleben, sondern muss diese bewusst vorausdenken, durchspielen und erproben.

Näher erläutern möchte ich dies am Beispiel der Anwendung eines Systems zur intelligenten Preisfindung. Das sind algorithmische (künstlich intelligente) Systeme, welche automatisiert Preisänderungen vorschlagen und teilweise selbstständig Preisentscheidungen treffen können. Der Nutzer muss erstmals die Veränderungen erkennen, d.h. ihm muss die Existenz bzw. Funktionsweise der Systeme bekannt sein. Worauf er die Auswirkungen auf sein Tätigkeitsfeld bewerten kann. Wird später eine solche Lösung implementiert, dann werden im Zusammenspiel Mensch und Maschine gemeinsam Preisempfehlungen identifiziert und mögliche Preisänderungen vorgenommen. Dieser neue digitale Entscheidungsprozess wird vom Nutzer gelebt und die Preisempfehlungen sind durch eine bewusste Entscheidung des Anwenders zu validieren. Soweit, so gut. Die Verantwortung an die Maschine abzugeben, ist nicht jedermanns Sache und damit fangen die Herausforderungen an. Das ist ein Beispiel für die „German Angst“, welche sicherlich auf der verbreiteten Sichtweise des „Kampfes zwischen Mensch und Maschine“ resultiert. Fakt ist aber, dass generell „maschinelle Intelligenz“ mittelfristig noch Restriktionen unterliegt und den Menschen, mit seiner Fähigkeit zur Anwendung von u.a. pragmatischen Heuristiken, in vielen Anwendungsfällen nicht einfach ersetzen kann.

Im ersten Schritt unseres Beispiels bedarf es für den Nutzer einer groben Orientierung über die Funktionsweise der Algorithmen zur Preisfindung und einer Abschätzung möglicher Gestaltungsformen der Mensch-Maschine Interaktion. Zu beachten ist immer die Transparenz der automatisierten Preisfindung für den Anwender. Je nach gewählten Algorithmus gibt es toolspezifische Unterschiede. Die Entscheidungsfindung bei der Nutzung von neuronalen Netzen zur Verarbeitung der Daten ist teilweise für den Anwender schwerer oder gar nicht mehr nachvollziehbar. Anders ist es bei alternativen mathematischen Modellen, welche von Fachbereichsspezialisten einfacher zu verstehen bzw. nachzuvollziehen sind.

Ziel ist es, dem Nutzer die Angst vor der Verdrängung durch die Maschine zu nehmen. Kollaborativ sollen die Kernfähigkeiten des Menschen (z.B. Entscheidungsfindung in widersprüchlichen Situationen) durch die Maschine (z.B. schnelle Verarbeitung sich wiederholender großer Datenmengen und automatisierte Erkennung von Datenmustern) unterstützt werden. Gleichzeitig soll ein Verständnis aufgebaut werden, mit welchen Restriktionen und Voraussetzungen der Anlernprozess der Maschine überhaupt nur erfolgreich funktionieren kann.

Das Verständnis über diesen Sachverhalt und die Akzeptanz der Sinnhaftigkeit des Tuns sind die Voraussetzungen, um Ängste vor der Nichthandhabbarkeit einer Situation durch einen scheinbaren Kontrollverlust zu vermeiden. Die Wahrnehmung von Veränderungsbedarf erfolgt immer aus einer individuellen Perspektive, die von den Bedürfnissen, Erwartungen und Haltungen des Einzelnen geprägt bzw. gefühlsmäßig gefärbt sind. Infolgedessen kann es zu unterschiedlichen Auffassungen über die Relevanz, notwendigen Veränderungen und zu ergreifenden Maßnahmen kommen.

Der Schwerpunkt der Veränderungsarbeit liegt auf der Prägung des Mindset der Betroffenen über das zukünftig notwendige Zusammenspiel von Mensch und Maschine in einem experimentellen Umfeld. Zudem muss der Betroffene eine Strategie der (Mit-) Gestaltung entwickeln, um die Veränderungen in Einklang mit der eigenen Persönlichkeit zu bringen.

Ist diese Hürde der Findung einer potenziellen Lösung überwunden, kann darauf aufbauend die Umsetzung angegangen werden. Grundsätzlich gehen Veränderungsprozesse immer mit Unsicherheit, Unübersichtlichkeit, Unwägbarkeiten und dem Risiko des unsicheren Ausgangs einher. Es bedarf einer gewissen Flexibilität, um auf Abweichungen der Planung bzw. Realisierung reagieren und Anpassungen (bezogen auf die Prozesse und Lösung) vornehmen zu können.

Erfolgt dabei das Handeln des Individuums reaktiv auf einen externen Impuls, z.B. durch die zwangsweise Nutzung einer verfügbaren neuen Technologie, so ist die Erfolgswahrscheinlichkeit geringer. Sich selbstbestimmt-proaktiv mit den Veränderungen bzw. Möglichkeiten neuer Technologien auseinander zu setzen, führt zu einer positiveren Bewertung des Veränderungsprozesses und stärkt das eigene Zutrauen. Dies erhöht sowohl das Engagement bzw. die Zufriedenheit, als auch den möglichen Erfolg.

Mit der Nutzung einer solchen Lösung geht es darum, die neue Abwicklung der Preisfindungsprozesse zu etablieren und die neuen Verhaltensweisen nachhaltig einzuhalten. Aus den Erfahrungen der Anwendung sollten im Alltag unterschiedliche Preisstrategien ausprobiert, evaluiert und möglicherweise noch angepasst werden. Je nach Warenbereich bzw. Warengruppe könnten alternative Zielfunktionen des Algorithmus zum Einsatz kommen.     

Das „richtige Mindset“ bezüglich einer agilen Vorgehensweise wird durch einen modularen Aufbau solcher Systeme ermöglicht. Sie bieten die Chance in kleinem Stil anzufangen und sukzessive weitere Module zu implementieren. Somit ist nach der Veränderung vor der Veränderung und wird so zum normalen Dauerzustand. Deren Bewältigung braucht immer ihre Zeit und zwischen den einzelnen Abschnitten braucht es Phasen der Stabilisierung bzw. Entspannung, um neue Kraft zu tanken. Aber gelungene Veränderungen machen Mut für die nächsten Schritte, nicht nur bei der Umsetzung von Digitalisierungsprojekten. Ein kundenzentriertes Mindset ermöglichen die Pricing-Lösungen durch eine optimierte Preisgestaltung, die auch dem Kunden zugutekommt.

Zum Schluss eines Blogbeitrags bleiben immer Fragen offen, z.B. sind Sie bzw. Ihr Unternehmen richtig für die Zukunft vorbereitet und mit welchem Weltbild treiben Sie die Innovationen in Ihrem Unternehmen voran? Bedenken Sie dabei immer, dass ein technologischer Vorsprung für Ihre Wettbewerber einfacher zu kopieren ist, als ein kulturelles Unterscheidungsmerkmal ihrer Belegschaft, wie Agilität, Innovationskraft oder Kundenorientierung.

Falls Sie für die unterschiedlichsten Anwendungsfälle noch Antworten suchen oder mehr über die Anwendung von digitalen Lösungen erfahren möchten, dann wenden Sie sich gerne an uns. Wir helfen einen individuellen Weg zu finden und wünschen auf jeden Fall viel Erfolg beim Experimentieren!

 

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