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Künstliche Intelligenz im Modedesign – echte Kreativität oder kreativer Katalysator?

Posted on 24.01.2018 by Merle Vick - Consultant

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Posted on 24-01-2018 by Merle Vick - Consultant

Eine dystopische Vision, die mehr nach Science-Fiction als nach Realität klingt ist, dass Systeme künstlicher Intelligenz in der Zukunft den Intellekt des Menschen in allen seinen Aufgaben übertreffen – den Menschen somit überflüssig machen. Tatsächlich ist bereits heute die künstliche Intelligenz dem Menschen in bestimmten Bereichen überlegen: KI Systeme werden erfolgreich in der Rechtsprechung verwendet. Übersetzungsdienste werden durch künstliche Intelligenz immer genauer und sogar bei der Findung passender Therapien für Krebspatienten wurden bereits entsprechende Algorithmen eingesetzt. Es stellt sich also die Frage was die menschliche von der künstlichen Intelligenz unterscheidet und wo der Mensch der Maschine überhaupt noch überlegen bleibt.

Eine urmenschliche Fähigkeit, die besonders in der Mode Industrie zum Einsatz kommt ist die Kreativität. Modedesigner entwerfen Saison für Saison neue Kollektionen. Kann Künstliche Intelligenz wie der Mensch auch neue, kreative Mode quasi aus dem Nichts erschaffen? Erste Beispiele für den Einsatz künstlicher Intelligenz im Modedesign existieren bereits:

  • Myntra: Das Design der Eigenmarke “Moda Rapido” des indischen Händlers “Myntra” läuft komplett ohne menschliche Intervention ab: computergenerierte T-Shirts, Jeans, Kurtas und Schuhe werden auf der Website des Händlers angeboten. Das KI System wird mit Daten unterschiedlichster Quellen gespeist, darunter Kundendaten, Social Media Daten und Fashion-Publikationen. Auf Basis dieser Daten werden zahllose Design Kombinationen generiert und anschließend bewertet, was sich am besten verkaufen lässt. Für die ausgewählten Styles werden automatisch TechPacks erstellt, die sämtliche Spezifikationen für die Fertigung enthalten. Im Vergleich zu allen anderen 14 Marken aus dem Myntra-Portfolio weist Moda Rapido die höchsten Bruttomargen auf.
  • Stitch Fix: Der „Hybrid Designer“ des Fashion Start Ups „Stitch Fix“ katalogisiert dessen gesamtes Inventar und gliedert jedes Kleidungsstück in 30 bis 80 Merkmale, wie z.B. Farbe, Länge, Anzahl der Knöpfe, Form des Saums, Stoff, Muster, Ärmel- oder Kragentyp. Ein Algorithmus bewertet anschließend welche dieser Merkmale bei den Konsumenten am beliebtesten sind und überprüft ob ein bestimmtes Kleidungsstück mehrere der beliebtesten Merkmale aufweist. Ist das nicht der Fall, ist eine Marktlücke gefunden: Nach dem Prinzip „viel hilft viel“ geht Stitch Fix davon aus, dass ein Kleidungsstück umso beliebter sein wird, je mehr dieser beliebten Merkmale es aufweist. Die identifizierten Marktlücken werden anschließend menschlichen Designern statt eines Mood Boards vorgelegt um den kreativen Prozess zu starten.

Aber sind diese Tools, die sich ausschließlich auf vergangenheitsbezogene Daten beziehen tatsächlich mit menschlicher Kreativität vergleichbar? Menschen finden Lösungen, die nicht vorhersehbar sind, ihre Kreativität speist sich aus Inspiration, Bauchgefühl, Emotionen, Erfahrungen und Sozialisierung. Besonders die Mode ist ein Schmelztiegel unterschiedlichster Inspirationsquellen aus Kunst, Kultur und gesellschaftlichen Strömungen. Die beschriebenen Tools sind hingegen Arbeitsinstrumente mit eng begrenztem Nutzwert. Anders formuliert: nur weil ein Hammer deutlich besser dazu geeignet ist, einen Nagel in ein Brett zu schlagen als ein menschlicher Daumen, ist er noch lange nicht dem Menschen überlegen.

Künstliche Intelligenz kann zum jetzigen Zeitpunkt dabei helfen bestimmte Arbeitsbereiche der Modedesigner zu automatisieren und somit die Effizienz des Designprozesses zu steigern was wiederum Kosten senkt. Sie ist derzeit demnach nicht selbst kreativ, sondern dient viel mehr die Kreativität der Menschen zu triggern und den kreativen Prozess zu optimieren. Designer werden unterstützt kundenorientierte Lösungen zu finden, die den tatsächlichen Wünschen der Zielgruppe entsprechen.

 

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